Tja, Überraschungen gab es echt viele. Eine davon betrifft das traditionell eher launische Wetter. Das sich diesmal stabil, trocken und vor allem heiß präsentierte. Was die Wahl der passenden Reifen erleichterte, und erkenntnisbringende Setup-Arbeiten zuließ. An jedem der beiden Veranstaltungstage gingen die drei geplanten Auffahrten trotz relativ vieler, glücklicherweise harmloser, Vorfälle über die 1,640 Kilometer kurze Strecke, deren zahlreiche Kurvenkombinationen und Kehren hohe Anforderungen an die Piloten stellten. Für die 107 gestarteten Rennfahrenden galt beim 62. ADAC/EMSC Wolsfelder Bergrennen der Modus „die besten zwei aus drei Rennläufen“. Okay, ihr fragt jetzt zurecht nach den weiteren Überraschungen, liebe Leser. Lasst uns diese daher ab sofort gemeinsam im Renngeschehen suchen.

Das beginnen wir, ganz gemäß der Startreihenfolge, mit dem NSU-Bergpokal. In dem Jörg Höber, der schon mehrere Jahre kein volles Rennprogramm mehr absolviert hatte, auf Anhieb im ersten Trainingsdurchgang die Bestzeit setzt. Übrigens im TT von Dieter Kohl, mit dem Jörg in der gerade laufenden 25. NSU-Bergpokal Saison ein Team bildet. Sofort danach übernimmt allerdings Jannik Hofmann die Spitze, sprintet zum klaren Sieg. Im ersten Race-Heat verbessert er so ganz nebenbei den 2018 von Jörg Davidovic aufgestellten NSU-Bergpokal Streckenrekord um 0,165 Sekunden auf 1:12,511. Als Zweiter fliegt Jörg Höber über die finale Ziellinie, ihm folgt Uwe Schindler mit etwas Respektabstand. Die Ränge vier und fünf gehen an Senior Werner Voigt und Youngster Laurin Krystofiak. Zusätzlich darf sich Jörg Höber über den größten NSU-Klassikwertungspokal freuen, die Ränge zwei und drei gehen hier an Walter Voigt und Roman Szott.

Jetzt Trommelwirbel für die nächste Überraschung, eine volle Klassik-Klasse bis 1150 Kubik-Zentimeter. Fünf Fahrzeuge nehmen in dieser das Training auf. Leider muss Jürgen Heßberger seinen Fiat 127 Sport Martini Racing nach den Übungsauffahrten zurück ziehen. Schaltprobleme sind der Grund dafür. Zwei Schneider Audi 50 fühlen sich derweil für die Pace zuständig. Tobias Stegmann und Bernd Deutsch belegen, getrennt durch 2,596 Sekunden, die Plätze eins und zwei. Rolf Rauch beendet sein Wolsfeld-Wochenende im Fiat 128 Rally als Dritter, Jennifer Kaufel-Meier fährt ihren Fiat 850 auf Position vier. Tobi Stegmann hat damit seine klare Ansage vom Samstagabend perfekt umgesetzt: „Ich bin hierhergekommen, um zu gewinnen!“

Wir könnten nun hier kurz diskutieren, ob 14 angereiste 1400er tatsächlich eine Überraschung sind oder nicht, befassen uns aber lieber direkt mit dem Rennen. Marcel Hellberg sitzt in der Eifel erstmals als Teampartner von Markus Hülsmann im Cockpit dessen VW Golf 1 16V, treibt diesen und sich selbst zu Höchstleistungen, gewinnt 2,685 Sekunden vor Steffen Hofmann (NSU TT 16V). Der muss sich mächtig strecken und im Finale eine Fabelzeit auf die Piste zaubern, um diesen zweiten Rang zu erreichen. Schlussendlich beendet er das Rennen 0,128 Sekunden vor Thomas Pröschel, der mit dem VW Schneider Corrrado 16V nach Auffahrt zwei den Stecker ziehen und sich abmelden muss. Hinter dem Spitzentrio läuft ein superspannender 8-Ventiler Krimi. Die Hauptdarsteller heißen Frank Lohmann, Nils Abb, Philipp Plein und Simon Markert, die in der genannten Reihenfolge die Positionen vier bis sieben beziehen. Sie liegen innerhalb eines Fensters von nur 1,756 Sekunden zusammen. Ihrem Frontmann, Frank Lohmann, fehlen nebenbei bemerkt auf den Dritten, Thomas Pröschel, lediglich knappe sieben Zehntel. Für Nils Abb ist Wolsfeld ein Rennen mit Handicap. Im zweiten Run macht eine Antriebswelle des Schneider Polo schlapp. Bis zum Finale ist zwar alles wieder in Ordnung, den 1400er KW 8V-Trophy Sieg kann er aber Frank Lohmann nicht mehr entreißen.

1,6-Liter sind in der Eifel Mangelware. Nur Robert Maslonka rollt seinen VW Polo 86C G60 an den Start. Das Regelbuch sagt klar: Zusammenlegung mit den 2-Litern. Das schreckt Robert nicht ab, sein Einsatz wird mit Podestplatz drei belohnt. Vor ihm platzieren sich Werner Weiss (Ford Escort RS 1800) und Lars Heisel, der mit seinem Opel Böhm Kadett 16V Superzeiten auf die Strecke zaubert und die Klasse gewinnt. Auf Position vier kreuzt Youngster Marvin Ruwe im VW Minichberger Golf 1 GTI 16V die Ziellinie.

Drei Opel Kadett gegen einen BMW. Das ist die Story der Abteilung bis 3000 Kubik. Als Favorit gilt Michael Ostermann im C Coupé 16V. Dieser Rolle wird er voll gerecht. Er gewinnt vor Marken- und Typenkollege Thomas Claus, der nach dem Wechsel vom 2- auf ein 2,5-Liter 16V Aggregat sein erstes KW Berg-Cup Rennen bestreitet. In der Kadett C Frank Limousine ist Roland Christall in seiner Klasse Dritter und KW 8V-Trophy Sieger. Rang vier geht an André Bunte, der im BMW E30 unterwegs ist.

Für Frank Bamberg ist Wolsfeld ein Rollout. Denn seine vorhandene, einem BMW M4 entnommene Technik, hat er nun in eine E36 Coupé Karosse implantiert. Daher hat er die Neuschöpfung auf den Namen BMW E36 M4 R Coupé getauft. Leider fristet er das Dasein eines Alleinunterhalters. Von Lauf zu Lauf wird er beständig schneller, nur im letzten Run ist er nicht mehr mit von der Partie.

Damit von den Hubraumklassen zu den nach Performancefactor (Pf) unterteilten Abteilungen. Die mit neun Autos besetzte 5c entscheidet Youngster Fabian Brügge mit seinem BMW E36 325i für sich. Herbert Schmitz fährt im Opel Astra GSi einen hervorragenden zweiten Platz heraus. Rang drei geht an den Luxemburger Chris Koenig (Citroen Saxo VTS), Axel Milek wird im VW Golf 1 8V Vierter, Rookie Marco Wöhr pilotiert seinen Opel Astra F GSi 16V zu Rang fünf.

Die 5b sieht den Sieg des Belgiers Jean-Francois Lepot im Peugeot 205 junior. Mit ihm steigen Kira Gerspacher (VW Golf 3 GTI) als Zweite und Roman Ahke (Opel Corsa B GSi) als Dritter aufs Podium. Jürgen Thieme (VW Lupo GTI) beendet sein Wolsfeld-Wochenende auf Position vier.

Fesselnd verläuft das Duell um den Gewinn der Klasse 5a. Der routinierte Walter Terler (Opel Kadett C Coupé) muss alle Register ziehen und im dritten Run eine Topzeit fahren, um Leopold Gast mit seinem Renault Clio 4 Cup um winzige 0,260 Sekunden hinter sich zu halten. Wobei Leopold unter dem Druck stand, im dritten Lauf absolut fehlerlos und schnell agieren zu müssen, da er in seine zweite Auffahrt einen kleinen Fehler eingebaut hatte. Rang drei holt sich Johannes Dambach (Nissan Micra) vor Thomas Flik im Renault Clio 3 Cup, der dem Franzosen Romain Fontanelle im Peugeot 205 exakt 35 Tausendstelsekunden voraus ist.

Auch in der 4b ist es ganz vorne ultraeng. Final trennen 1,143 Sekunden den Sieger Jens Weber (Opel Kadett C Coupé 16V) vom Zweiten. Das ist Jürgen Gerspacher im ex-Wolfi Glas VW Golf 1 16-Ventiler. Rang drei sichert sich als schnellster KW 8V-Trophy Mann der 4b Stefan Schäfer in seiner bewährten, selbst aufgebauten Opel Kadett C Limousine.

Die 4a erlebt die Auseinandersetzung zwischen Andy Heindrichs (Opel Wiebe Corsa 16V) und Ralph Paulick im VW Minichberger Golf 1 16V. Die Entscheidung fällt final hauchdünn um 0,476 Sekunden zugunsten von Andy Heindrichs. Den dritten Platz auf dem Podium holt sich Ralf Kleinsorg mit seinem Sechszylinder BMW 325i.

Mit drei 1:09er Zeiten gewinnt Bob Kellen die 3b. Sein Arbeitsgerät ist ein im Rallye-Trimm gehaltener Gruppe 4 Ford Escort RS 2000. 2,099 Sekunden dahinter läuft Pascal Ehrmann mit seinem Subaru Impreza WRX STI als Zweiter ein. Rang drei geht nach Belgien, an Eddy Harlaux im radikal umgebauten Simca Busa. Karl-Heinz Müller hadert mit technischen Problemen seines BMW M140i. Dennoch rettet er Position vier.

3a-Doppelsieg für die Familie Orth. Junior Patrick gewinnt vor Papa Ralf (beide Porsche 911 GT3). Luxemburgs Steve Jung folgt im Seat Leon Cupra TCR als Dritter. Leider ist Patrick nur in den zwei ersten Auffahrten dabei, das Getriebe bereitet Sorgen in Form von Geräuschen, die es nicht produzieren sollte. Zur Sicherheit wird im dritten Heat nicht mehr angetreten, was, wie wir noch sehen werden, Auswirkungen auf die Tourenwagen-Gesamtwertung hat.

„The flying Finn is back“ betiteln wir die Pf 2. Bis Freitagabend hat Mikko Kataja an seinem Toyota Starlet unermüdlich geschraubt, die KW Berg-Cup Sponsorenkleber bringt er spät am Samstag an. Den Trainingssonntag nutzt er als Rollout und Test, lässt da noch Michel Fernandes im Porsche 992 GT3 Cup generös den Vortritt. Am Rennmontag allerdings dreht Mikko voll auf, demonstriert die Vorzüge seines V8-Motors, gewinnt mit einem Polster von 3,446 Sekunden vor dem Luxemburger GT3-Piloten. Gegen die beiden an der Spitze findet selbst Charles Valentiny trotz richtig hoher Motorenpower in seinem Allrad getriebenen Subaru Impreza WRX STI kein Mittel, der Luxemburger muss sich mit Position drei zufrieden geben.

In der Pf 1 teilt Nicole Prinzing das Schicksal von Frank Bamberg bei den Klassikern über 3-Liter Hubraum. Mit ihrem bärenstarken Audi TT ist sie leider allein unterwegs, verliert dadurch aber nichts an Motivation, wird auf dem ihr neuen, tricky Kurs von Lauf zu Lauf deutlich schneller.

Stichwort schnell, das ist die perfekte Überleitung zum Tourenwagen-Gesamt. Das sich in Wolsfeld spannend wie selten zuvor präsentiert. Der Infight läuft zwischen Michael Ostermann (Opel Kadett C GT/E), Patrick Orth im Porsche 997 GT3 Cup und Mikko Kataja mit seinem Toyota Starlet V8. Die erste Auffahrt sieht Patrick Orth vorne. Im zweiten Heat fährt er 1:05,730, verbessert sich damit um 0,287 Sekunden. Danach zieht ihn die böse Defekthexe aus dem Verkehr, sie nagt am Getriebe. Was Patrick vielleicht noch hätte leisten können, bleibt Spekulation. Wir aber halten uns strikt an die Fakten. Und die besagen, dass alle drei innerhalb von 0,168 Sekunden liegen. Mit Patrick an der Spitze, gefolgt von Mikko und Michael. Patrick kann jetzt nur mehr beobachten. Michael gelingt ein optimaler Lauf. Seine 1:05,388 sind die schnellste Tourenwagenzeit des Wochenendes. Die Formel „die besten zwei aus drei“ bringt ihn an die Spitze, er gewinnt vor Patrick und Mikko. Die finalen Abstände? 0,318 Sekunden liegen zwischen dem 2,5-Liter Kadett und dem 997 GT3 Porsche. Mikkos Toyota folgt im Windschatten, 0,168 Sekunden fehlen auf Patrick. Das Tourenwagen-Podest Fenster ist 0,486 Sekunden klein. In der Gesamtwertung sind das die Positionen acht, neun und zehn. Viertschnellster der Division 1 ist im 1600er Opel Wiebe Corsa 16V Andy Heindrichs, Fünfter Ralph Paulick mit seinem VW Golf 1 Minichberger 16V.

Lasst uns noch schnell die E2-SH Renner betrachten, bei denen David gegen Goliath gewinnt. Im knapp über 500 Kilo wiegenden und etwas über 200 PS starken Silver Car S2 Evo hält Marco Farrenkopf die beiden von Ford-Fünfzylindermotoren angetriebenen Lamera Cup Autos von Thierry Schloesser und Gilles Bruckner hinter sich.

Ohne Wetterfrosch zu sein wage ich die Prognose: Der Juni wird heiß! Sportlich gesehen auf jeden Fall. Denn er führt den NSU-Bergpokal und den KW Berg-Cup ins schweizerische Hemberg (05.-07.), nur eine Woche später gehts zum Europa-Berg-Meisterschaftslauf an den Glasbach (12.-14.) und vom 26. bis zum 28. Juni steht das Ibergrennen im Kalender. Bitte notiert euch – falls noch nicht geschehen – diese Termine, liebe NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup Freunde. Besucht die Rennen, ihr unterstützt damit die Veranstalter und uns vom Berg-Cup e.V. Wir freuen uns auf euch, bis dann!

Uli Kohl, 27.05.2026





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