image1 image2 image3 image4 image5 image6 image7 image8

Der KW Berg-Cup in St. Anton/A: Familienausflug zum Wohlfühl-Wochenende

Fast wäre man versucht zu sagen: „The same procedure as last year.“ Und läge damit sicher nicht daneben. Denn die KW Berg-Cup Delegation, die es am 24. und 25. Mai ins österreichische Ötscherland zog, war auch im zweiten Anlauf leider klein, aber dafür wieder sehr fein. Keiner der Akteure bereute seine Teilnahme. Beginnend mit der offenen, freundlichen Aufnahme über den jeweils pünktlichen Trainings- und Rennbeginn, die zügige Durchführung, das frühzeitige Ende an beiden Tagen bis hin zur zeitnahen Siegerehrung präsentierte sich die veranstaltende Truppe von Emsi Motorsport in Bestform. Da störte auch der kurze Regen im zweiten Trainingslauf nur minimal. Dafür wartete der Renn-Sonntag mit besten Konditionen, Wärme und Sonnenschein auf. Die hochselektiven und mit 15 Kurven gespickten 3,235 Steinleiten-Kilometer und die Fahrerpräsentation am Samstagabend im Festzelt, verbunden mit der Vorführung eines ersten Videos vom Trainingsgeschehen, sind hier nur ein Auszug weiterer „Schmankerl“ des Berg-Wohlfühl-Wochenendes.

Dem wir uns nun ausführlich widmen wollen. Beginnend mit dem Augenreiben, dass den einen oder anderen beim Blick auf die mit drei Teilnehmern aufwartende 1150er Klasse in den ersten Nennlisten befallen haben dürfte. „Wie bitte, eine volle 1150er Klasse bei einem KW Berg-Cup Lauf im Ausland? Das hat es doch schon lange nicht mehr gegeben!“ Völlig richtig, zuletzt beim St. Agatha Event 2011. Leider platzte die sensible Seifenblase schon vor dem Start. Silvia Ebenhöh musste absagen, da die bereits in Eschdorf nervenden Elektronikprobleme am Weißdorn Racing Polo nicht auf die Schnelle zu beheben waren. Und so wurden – völlig regelkonform – Robert Bauer und Thomas Stelberg flugs in die 1,4 Liter Klasse gehievt. Um dort unter anderen auf gute, alte Bekannte wie Helmut Götzl, Armin Ebenhöh und Franz Weißdorn zu treffen. Während die beiden Letztgenannten übrigens wie üblich mit Begleitung und Team unterwegs waren, bildeten Robert, Thomas und Helmut als absolute „Einzelkämpfer“ die möglicherweise erste „Polo-Boys“ Berg-WG. Vom Stimmungsbild nun aber rasch zum Sport. Der bei den 1400ern vom Familien-Generationen-Duell Franz Weißdorn gegen seine beiden zusammen im Team fahrenden Schwiegersöhne Armin Ebenhöh und Wolfi Glas geprägt wird. In der ersten Übungsauffahrt kann sich „Mr. Berg-Cup“ Franz Weißdorn noch vor Armin Ebenhöh behaupten. In der zweiten „verwässert“ der kurze Regen das Bild im wahrsten Sinne des Wortes. Hier setzen sich 8-Ventiler VW Polo Pilot Helmut Götzl und 1150er Vertreter Robert Bauer (VW EMP Polo) als Zweit- und Drittschnellste bestens in Szene. Im trockenen, finalen Probe-Heat stürmt Armin Ebenhöh im Minichberger Polo 16-Ventiler trotz Ganganzeigeproblemen zur Bestzeit. Vor Franz Weißdorn (VW Polo 16V/P2) und Jakob Löffler (P3) im Suzuki Swift. Im Feld der neun 1,4-Liter E1 Fahrzeuge ist Robert Bauer Vierter, Helmut Götzl Sechster und Thomas Stelberg Siebter. Das Rennen ist in allen drei Läufen ein komplettes Abziehbild des Trainings. An den Positionen ändert sich nichts. Der Siegervorsprung von Armin Ebenhöh auf Franz Weißdorn beträgt 4,305 Sekunden, Helmut Götzl ist der 1400er KW 8V-Trophy Sieger.

Ein rabenschwarzes Wochenende zum Vergessen erleben die KW Berg-Cup 1,6-Liter Piloten Helmut Maier und Manfred Schulte. Im Training platzieren sie sich auf den Positionen fünf und sieben. Am Ende von Manfreds letztem Übungs-Heat bricht am Citroen Dobrowolski AX der Stummel des äußeren Antriebswellengelenkes gleich hinter der Durchführung durch die Radnabe. Da ein Ersatz nicht rechtzeitig zu beschaffen ist, packt das Team noch am Samstagabend zusammen. Nicht viel besser ergeht es Helmut Maier. Schaltprobleme bremsen den Spiess Golf 16V bereits im ersten Wertungslauf ein. Als Ursache wird ein aufgefranstes Schaltseil diagnostiziert. Mangels Teilen ist die erforderliche Express-Reparatur nicht durchführbar – früher Feierabend auch für Helmut. Fortan ist die 1600er Klasse eine rein österreichische Angelegenheit. Im Training setzt „Local-Hero“ Manfred Aflenzer im VW Polo 16V mit Fabelzeiten die Maßstäbe. Vor Manuel Michalko (P2/Citroen Saxo) und Christian Speckl (P3) im VW Golf. Im Rennen rechnen alle mit einem souveränen Aflenzer-Alleingang. Aber nach dem ersten Run führt plötzlich Manuel Michalko vor Christian Speckl und Manfred Aflenzer, dem 3,403 Sekunden auf den Leader fehlen. Was war passiert? Das Polo Steuergerät spielte völlig unerwartet und ohne Auftrag Start/Stopp Automatik, stellte den Motor mitten im ersten Heat ab. Quälend lange Zeit vergeht bergauf rollend, dann springt das 250 PS starke Triebwerk wieder an – weiter geht’s Richtung Ziel. Durchgang zwei steht an. Und wieder rechnen alle damit, dass Manfred Aflenzer trotz des Rückstandes noch zum Sieg fahren kann, dass er eine grandiose Aufholjagd startet. Doch daraus wird nichts. Diesmal spielt zwar die Elektronik mit, dafür überrascht der Polo jetzt mit gewaltigem Überbremsen hinten. Manfred steht beim Verzögern zweimal kriminell quer, verliert das Auto um ein Haar aus der Kontrolle. So wird es wieder „nur“ die drittschnellste Laufzeit. Manfred Aflenzer erkennt, dass dies nicht sein Wochenende ist und verzichtet auf den letzten Run. So besteht die endgültige Stockerlbesatzung aus Manuel Michalko als Sieger, Christian Speckl auf Position 2 und Robert Klaus im Peugeot 205 RS 16 als Drittem. Eine rein österreichische Angelegenheit eben? Fast – denn bei Manuel Michalkos Siegfahrten sorgt einer von Manfred Schultes AX Ersatzmotoren für den nötigen Vortrieb. Der Berg-Cup Vizepräsident hatte damit Manuel, der auf ein neues Triebwerk wartet, kurzfristig generös aus der Patsche geholfen.

Auch bei den 2-Litern bedarf es länderübergreifender Zusammenarbeit. Diesmal zu deutschen Gunsten. Oder war es doch anders? Wir werden sehen. Alles beginnt im Training. Peter Naumann sieht im ersten Heat das Ziel nicht. Eine Antriebswelle des aufgeladenen VW Polo 16V Super Charger versagt den Dienst. Peter selbst hat keine dabei. Dafür aber „Golfer“ Christoph Lampert aus Vorarlberg. Das Naumann Team repariert. Das neue Teil ist etwas länger. Deshalb wird der Polo einseitig um 15 Millimeter verbreitert und liegt infolge dessen in Links- und Rechtskurven von nun an unterschiedlich. Was Peter nicht daran hindert, im dritten Übungs-Run die zweitschnellste Zeit zu setzen. Genau in diesem Durchgang fällt Christoph Lampert aus. Er wird doch nun die Welle nicht etwa selbst brauchen…? Schnell kommt Aufklärung: Christoph hat auf der Kurveninnenseite den Randstein touchiert und sich vehement gedreht, ist breitseits angeschlagen. Eine Spätschicht steht an. Nun hilft Peter Naumann mit Equipment zum Vermessen der Achsgeometrie. Sonntags fahren beide. Ach so, am Training haben noch mehr teilgenommen? Stimmt, ja. Exakt 28 2-Liter Fahrzeuge waren am Samstag auf der Steinleiten unterwegs. Für die Bestzeiten sorgte Vorjahressieger Jörg Weidinger im BMW 318i STW. Vor Peter Naumann (P2) und Hansi Eller (P3) im Minichberger Scirocco. Roman Sonderbauer ist im Ziegler Kadett Fünfter, Norbert Wimmer im BMW 2002 als Siebter schnellster 8-Ventiler. KW Berg-Cup Rookie Markus Saal lässt in seiner 16V Kadett Limousine als Zwölfter aufhorchen, Edmund Bodenmüller (Minichberger C-Coupé) ist Vierzehnter. Jürgen Schuster kämpft mit kleineren technischen Problemchen und liegt einen Platz dahinter. Johann Hatezic behauptet sich im Opel Ascona in der KW 8V-Trophy als Zweiter vor Daniel Bayer im C-Coupé. Das Rennen beginnt mit einem typischen Jörg Weidinger Blitzstart. Er drückt seine Vorjahres-Bestmarke bis auf 1:20,228 nach unten und distanziert so seinen nächsten Verfolger Peter Naumann (P2) um 3,265 Sekunden. 62 Hundertstel zurück folgt Hansi Eller als Dritter vor den schnellsten Österreichern Jürgen Halbartschlager (VW Golf) und Michael Auer im VW Scirocco. Dicht dahinter ist Roman Sonderbauer Sechster, Norbert Wimmer fliegt als Klassensiebter und schnellster KW 8V-Trophy Pilot durchs Ziel, übt trotz eines nicht korrekt arbeitenden Stoßdämpfers keine erkennbare Zurückhaltung. Markus Saal ist starker Zehnter. Daniel Bayer schiebt sich auf die zweite 8-Ventiler Position. Sorgen bei Roman Sonderbauer: Die Kadett Kühlwassertemperatur ist nach der Zieldurchfahrt ungewohnt hoch, Flüssigkeit wird heraus gedrückt. In der Pause vor dem zweiten Heat sucht sein Team nach möglichen Ursachen. Im zweiten Run baut Jörg seine Führung zügig weiter aus. Sie beträgt nun 6,489 Sekunden. Dahinter hat Hansi Eller voll aufgedreht, passiert die Steinleiten 0,782 Sekunden schneller als im ersten Versuch. Peter Naumann dagegen büßt etwas Zeit ein. Hansi schlüpft an ihm vorbei und ist neuer Zweiter. Daniel Bayer reißt ein Motorproblem aus dem Rennen. Die Sorgenfalten bei Sonderbauer Motorsport werden tiefer. Zwar ist der Pilot schneller geworden, um 0,619 Sekunden sogar, aber die Kühlprobleme sind immer noch da. Vor dem dritten Run beschließt man schweren Herzens, das Risiko einer eventuellen Ausweitung des Schadens nicht einzugehen und zieht den Kadett zurück. Der dritte Lauf bringt nicht mehr viel Aufregendes. Jörg Weidinger gewinnt einmal mehr souverän, diesmal 9,806 Sekunden vor Hansi Eller (P2). Peter Naumann bleibt knapp dahinter Dritter, ist im letzten Durchgang wieder mit einer 1:23er Zeit unterwegs. Dahinter tauscht der Austria-Express die Plätze. Mit einem fulminanten Endspurt zieht Michael Auer noch an Jürgen Halbartschlager (P5) vorbei auf Rang vier. Norbert Wimmer gewinnt auf Platz sechs die 2-Liter KW 8V-Trophy. Siebter ist Markus Habeler im Nemeth Scirocco, Christoph Lampert beendet das Rennen als Achter. Nicolas Reiter wird im Escort Mk1 Neunter, KW Berg-Cup Neueinsteiger Marcus Saal Zehnter. Jürgen Schuster sichert sich Endposition zwölf vor Edi Bodenmüller, der Dreizehnter wird. Johann Hatezic ist auf Platz siebzehn zweitbester KW 8V-Trophy Pilot, Holger Alt wird im Ford Escort RS 2000 Zweiundzwanzigster.

In der E1 über 2000 ccm haben KW Berg-Cup Rookie Werner Walser im 265 PS starken C-Kadett und Norman Struckmann im Ford Escort Cosworth RS (350 PS) einen schweren Stand. Denn die Konkurrenz ist in Bezug auf Motorleistung haushoch überlegen, ist mit bis zu 700 Pferdestärken und 864 Newtonmetern Drehmoment unterwegs. Davon lassen sich Werner und Norman – wenn überhaupt – nur mäßig beeindrucken und mischen munter im Klassengetümmel mit. Andreas Gabat ist im ex Dieter Höller Cossie Trainingsschnellster, übernimmt im ersten Rennlauf die Führung. Im zweiten wird er mit „Rot“ gestoppt, zurückgeführt, taucht zur Verblüffung aller im Fahrerlager unter. Des Rätsels Lösung: Eine Antriebswelle ist defekt. So ist der Weg frei für Austria-Volksheld und Publikumsliebling Karl Schagerl im VW Golf Rallye TSFI-R. Er gewinnt vor Thomas Holzmann im Mitsubishi Lancer EVO IV (P2) und Karl Werner (Audi S2/R quattro) als Drittem. Norman Struckmann arbeitet sich von Anfangs-Position acht über Rang sechs bis auf Endplatz fünf nach vorne, Werner Walser wird Neunter.

Bleibt noch der Blick auf das Tourenwagen Gesamtranking. Bei dem sich wieder einmal die E2-SH Gretchenfrage aufwirft: Ist ein BMW Silhouettenrenner mit V8 Indy Racing League Motor und Prost Formel 1 Getriebe, der zwar aussieht wie ein Tourenwagen, wirklich ein Tourenwagen? Gewertet wird er jedenfalls mit den Rennsportfahrzeugen. Erich Edlinger gewinnt seine Klasse auf dem BMW 320 IRL vor den Osella PA 20 Piloten Michael Behnke (P2) und Phillip Wilhelm auf Rang drei. Dazu die Gesamtwertung. Seine 1:16,441 aus der ersten Sonntagsauffahrt dürfen als neuer Tourenwagen Streckenrekord verkündet werden. Am Tag der Europawahl scheint ein stimmiges Rennsport-Europa fast weiter entfernt als je zuvor. Denn auch die Internationale Gruppe E1-FIA wird zusammen mit den E2 Sportscars und den CN Fahrzeugen gewertet. Also Kategorie 1 Autos zusammen mit Kategorie 2 Boliden. Dieser Absatz klingt kritisch. Und das soll er auch, allerdings im positiv-sachlichen Sinne. Die fahrerische Leistung und das technische Knowhow von Erich Edlinger und seinem Team schmälern diese Zeilen nicht – im Gegenteil. Hut ab und Daumen hoch vor der gezeigten Performance.

Ob das alles den KW Berg-Cup tangiert? Ja, schon. Denn der wünscht sich nichts mehr als ein zumindest europaweit einheitliches technisches Reglement mit ebensolcher Auslegung. Denn die KW Berg-Cup Spitzenpiloten fahren immer wieder weit vorne mit, auch in der Gesamtwertung. Jörg Weidinger ist in St. Anton Sechster Over-All, Hansi Eller Zwölfter, Peter Naumann Dreizehnter. Auch 8-Ventiler Spezialist Norbert Wimmer gelingt auf Gesamtrang achtzehn der Sprung unter die Top-Twenty. Berücksichtigt man Erich Edlinger nicht, ist Jörg Weidinger mit dem Minimalrückstand von 0,545 Sekunden aus drei Läufen zweitschnellster Tourenwagen hinter Karl Schagerl, dem 480 PS und knapp 600 Newtonmeter im Allrad-Turbo-Golf zur Verfügung stehen.

Wie auch immer, Politik und Regelauslegung hin oder her, die KW Berg-Cup Truppe hat sich in Österreich von ihrer besten Seite gezeigt und tolle Leistungen geboten, konnte alte Freunde begeistern und neue hinzu gewinnen. Die sie größtenteils leider erst wieder im September trifft. Vom 26. bis zum 28. in St. Agatha, wenn es wieder zum großen Freundschafts-Kräftemessen zwischen österreichischen und deutschen Gipfelstürmern geht.

Zuvor stehen sieben KW Berg-Cup Auftritte in Deutschland auf dem Spielplan. Der nächste findet bereits in knapp zwei Wochen statt. Beim 52. Wolsfelder AvD/EMSC Bergrennen nahe der Bierstadt Bitburg in der Eifel. Am Pfingstwochenende, vom 07. bis zum 09. Juni. Das ist doch ein idealer Zeitpunkt um sich zu treffen – oder etwa nicht?

Foto: Manfred Stadelhofer - Hillclimb Austia

Share